Restless-Legs-Syndrom

Der folgende Beitrag stammt von der Website „www.parkinson-web.de“, eine Kooperation der Gertrudis-Klinik Biskirchen und der Deutschen Parkinson Vereinigung e.V.

Bei der Parkinson-Erkrankung stehen zunächst die für Parkinson typischen Störungen der Bewegung im Vordergrund, aber auch das zusätzliche Vorliegen eines Restless-Legs-Syndroms (RLS), Syndrom der unruhigen Beine genannt, kann die Lebensqualität der Patienten sehr beeinträchtigen und erfordert u. U. eine Veränderung der bisherigen Therapie. RLS kann unabhängig von Parkinson oder zusammen mit der Parkinson-Erkrankung auftreten.

Es zeichnet sich aus durch:

  1. Einen Bewegungsdrang in den Beinen, der mit sensiblen Störungen einhergehen kann.
  2. Die Symptome beginnen oft, wenn eine Ruheposition eingenommen wird oder sie verschlechtern sich in einer Ruheposition.
  3. Durch Bewegung kann es zu einer teilweisen oder gar vollständigen Verbesserung der Symptome kommen.
  4. Abends oder nachts sind die Symptome deutlich wahrzunehmen.

Weitere Hinweise auf das Vorliegen eines RLS:

  • Die Kenntnis darüber, dass es in der Familie weitere Angehörige gibt, die von RLS betroffen sind oder
  • wenn der Patient bereits unter so genannten Periodischen Beinbewegungen (PLMS) leidet.

Häufigkeit eines RLS

Das Restless-Legs-Syndrom ist eine sehr häufige neurologische Erkrankung. Etwa fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung sind davon betroffen, mit einer Mehrzahl an Frauen.

Es gibt mehrere Studien, die untersucht haben, ob bei einer Parkinson-Erkrankung ein gehäuftes Auftreten von RLS besteht oder nicht. Bisher ist man noch zu keiner einheitlichen Erkenntnis gelangt. Möglicherweise ist auch bei der Parkinson-Erkrankung das RLS unabhängig zu sehen oder kann auch durch eine vermehrte Gabe von dopaminhaltigen Medikamenten oder dem Absetzen verstärkt werden.

Behandlung des RLS

Je nach Schweregrad der Erkrankung ist eine individuell angepasste Therapie erforderlich. Deshalb ist es wichtig, die Symptome und ihre Folgen auf Schlaf- und Tagesbefindlichkeit genau zu erfassen. Bei leicht betroffenen Patienten ist häufig eine Aufklärung über die Erkrankung und die Durchführung schlafhygienischer Maßnahmen ausreichend. So sollte z.B. am Abend konsequent auf Koffein, Alkohol und andere “Wachmacher“ verzichtet werden. Darüber hinaus sollte der Betroffene abends keine körperliche Anstrengung vornehmen und zu regelmäßigen Zeiten schlafen gehen.

Ein Therapiebeginn mit Medikamenten ist abhängig von der Ausprägung der Schlafstörung und der Schwere der RLS-Symptome tagsüber und vor allem am Abend und in der Nacht.

Die Therapie des RLS bei Parkinson-Patienten wurde bisher nicht systematisch in Studien untersucht. Von Patienten mit RLS ohne Parkinson weiß man, dass Medikamente wie L-DOPA oder Dopaminagonisten wirksam sind und zu einer Verbesserung der Symptome führen, insbesondere auch der Schlafstörungen. Diese Medikamente sind auch in Deutschland zur Therapie des RLS zugelassen.

Bei Parkinson-Patienten ist es jedoch manchmal ratsam, nachts nicht dopaminhaltige Medikamente zu verabreichen, da viele dopaminhaltige Medikamente verabreicht werden. Um eine ausreichende Beweglichkeit in der Nacht zu erhalten, ist jedoch eine zusätzliche geringe L-DOPA-Medikation oder Dopaminagonisten oft erforderlich.

Ein wichtiges Begleitsymptom des RLS, das die Lebensqualität der Patienten erheblich einschränkt, stellen Ein- und Durchschlafstörungen dar, die in der Praxis häufig den Grund bilden, einen Arzt aufzusuchen.

Weiterführende wichtige Informationen über RLS geben die von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie herausgegebenen Leitlinien (www.dgn.org).

Patienten, die unter RLS-Beschwerden leiden, ohne an einem Morbus Parkinson erkrankt zu sein, klagen über die gleichen Symptome.

Die Behandlung mit dopaminhaltigen Substanzen, d.h. Levodopa (L-DOPA) oder Dopaminagonisten wird als Behandlung „erster Wahl bei RLS“ angestrebt. Abhängig von der Schwere der Symptomatik, der zeitlichen Verteilung der Beschwerden und eventueller Nebenwirkungen bei Vorbehandlungen ist zwischen einer Therapie mit L-DOPA und Dopaminagonisten abzuwägen:

  • Im Prinzip gilt, dass Levodopa bei Bedarf gegeben werden kann, wenn RLS-Beschwerden intermittierend auftreten oder nur milde ausgeprägt sind. Es sollte jedoch darauf geachtet werden, dass eine gleichzeitige Einnahme von eiweißhaltigen Nahrungsmitteln die Wirkung verzögern oder vermindern kann. Sobald Beschwerden auch tagsüber oder mittelgradig bis schwere Symptome auftreten, sollten langfristig Dopaminagonisten verabreicht werden. Zur Therapie des RLS sind derzeit Ropinirol, Pramipexol und das Rotigotin-Pflaster zugelassen. Es ist dabei zu beachten, dass eine möglichst geringe Dosis verabreicht wird, und mit dem Arzt abgestimmt wird, wann und wie eine Dosissteigerung erfolgen soll. Es sollte keinesfalls die für RLS zugelassene Höchstdosis überschritten werden.
  • Gerade bei geringen Dosierungen kann auch langfristig mit einer guten Wirkung gerechnet werden. In den Leitlinien der DGN sind die entsprechenden Studien aufgeführt. Dosierungen und Wirksamkeiten kann man dort nachlesen.
  • Levodopa hat bei längerer Einnahme und vor allem bei höherer Dosierung bei vielen Patienten zu einer so genannten Augmentation, d.h. Verstärkung der RLS-Beschwerden geführt. Deshalb ist besondere Vorsicht geboten. Wenn unter einer L-DOPA-Therapie eine Zunahme der Beschwerden, vor allem früher am Tage auftritt, sollte eine Umstellung auf eine Behandlung mit Dopaminagonisten oder eine Behandlung mit anderen Medikamenten wie Opiaten, Gabapentin oder Pregabalin erfolgen. Diese Substanzen sind jedoch off-label für RLS.
  • Zahlreiche neue Therapiestudien zur Behandlung des RLS mit Dopaminagonisten zeigen eine deutliche (signifikante) Wirksamkeit dieser Medikamente im Vergleich zu jeweils einem Scheinmedikament (Placebo) bezüglich der RLS-Symptome. Dabei füllen die Patienten jeweils die Schweregradskala zur Beurteilung der RLS-Symptome aus. Die umfangreichsten Studiendaten liegen derzeit zu Ropinirol, Pramipexol und Rotigotin-Pflaster vor. Diese Substanzen sind derzeit zur Behandlung des mittelschweren und schweren RLS (IRLS Score >15) in Deutschland zugelassen.

Stand April 2013 | Prof. Dr. med. Claudia Trenkwalder, Universität Göttingen, Paracelsus-Elena-Klinik, Kassel

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