Die UPDRS-Skala

Der folgende Beitrag stammt von der Website „www.parkinson-web.de“, eine Kooperation der Gertrudis-Klinik Biskirchen und der Deutschen Parkinson Vereinigung e.V.

UPDRS ist die Abkürzung der vollständigen englischen Bezeichnung: Unified Parkinson’s Disease Rating Scale.

Die UPDRS-Skala ermöglicht neben der Momentaufnahme auch die Verlaufsbeobachtung der Patienten. Sie ist unterteilt in die untenstehenden Bereiche. Insgesamt sind 199 Punkte möglich, 199 Punkte sind das Maximum, 0 bedeutet keine Beeinträchtigung.

I. Kognitive Funktionen, Verhalten und Stimmung

1. Intellektuelle Einschränkung:

0 – Keine
1 – Leichte Vergesslichkeit mit teilweiser Erinnerung an Ereignisse und keine anderweitigen Schwierigkeiten
2 – Mäßiger Gedächtnisverlust mit Desorientierung und mäßigen Schwierigkeiten
beim Meistern komplexer Probleme. Leichte, aber definitive Einschränkung zu Hause mit der Notwendigkeit einer gelegentlichen Hilfe
3 – Schwerer Gedächtnisverlust mit zeitlicher und häufig örtliche Desorientierung, Schwere Einschränkung bei der Bewältigung von Problemen
4 – Schwerer Gedächtnisverlust, Orientierung nur zur Person erhalten. Kann keine Urteile fällen und keine Probleme lösen. Benötigt bei der persönlichen Pflege viel Hilfe. Kann nicht mehr alleine gelassen werden.

2. Denkstörungen: (als Folge von Demenz oder Medikamenten-Nebenwirkung)

0 – Keine
1 – Lebhafte Träume
2 – „Gutartige“ Halluzinationen mit erhaltener Einsicht
3 – Gelegentliche bis häufige Halluzinationen und Wahnvorstellungen; keine Einsicht; könnte sich störend auf die täglichen Aktivitäten auswirken
4 – Persistierende Halluzinationen, Wahnvorstellungen oder akute Psychose, kann sich nicht selbst versorgen.

3. Depression:

0 – Nicht vorhanden
1 – Zeitweise Traurigkeit oder Schuldgefühl stärker als normal, niemals Tage oder Wochen anhaltend
2 – Anhaltende Depression (1 Woche oder länger)
3 – Anhaltende Depression mit vegetativen Symptomen (Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme, Verlust des Interesses)
4 – Anhaltende Depression mit vegetativen Symptomen und Selbstmordgedanken oder -absichten

4. Motivation/Initiative:

0 – Normal
1 – Weniger energisch als sonst; stärker passiv
2 – Fehlende Initiative oder Desinteresse an nicht routinemäßigen Aktivitäten
3 – Fehlende Initiative oder Desinteresse an täglichen (routinemäßigen) Aktivitäten
4 – In sich gekehrt, völliges Fehlen von Motivation

II. Aktivitäten des täglichen Lebens (jeweils getrennt in on/off-Perioden ermitteln)

5. Sprache:

on off

0 – Normal
1 – Leicht beeinträchtigt; keine Verständigungsschwierigkeiten
2 – Mäßig beeinträchtigt; wird bisweilen gebeten, etwas zu wiederholen
3 – Stark beeinträchtigt; wird häufig gebeten, etwas zu wiederholen
4 – Meistens unverständlich

6. Speichelsekretion:

on off

0 – Normal
1 – Gering, aber eindeutig vermehrter Speichel im Mund; nachts gelegentlich Speichelaustritt
2 – Mäßig vermehrte Speichelsekretion; eventuell minimaler Speichelaustritt
3 – Deutlich vermehrte Speichelsekretion mit leichtem Speichelaustritt
4 – Ausgeprägter Speichelaustritt, muss ständig Papiertuch oder Taschentuch benutzen.

7. Schlucken:

on off

0 – Normal
1 – Seltenes Würgen/Verschlucken
2 – Gelegentliches Würgen/Verschlucken
3 – Weiche Nahrung erforderlich
4 – Ernährung über Magensonde oder Gastrostomie erforderlich

8. Handschrift:

on off

0 – Normal
1 – Etwas langsam oder klein
2 – Mäßig langsam oder klein; sämtliche Wörter leserlich
3 – Stark beeinträchtigt; nicht alle Wörter leserlich
4 – Die Mehrzahl der Wörter ist unleserlich

9. Speisen schneiden und mit Utensilien umgehen:

on off

0 – Normal
1 – Etwas langsam und unbeholfen, aber keine Hilfe erforderlich
2 – Kann die meisten Speisen schneiden, jedoch unbeholfen und langsam; etwas Hilfe erforderlich
3 – Speisen müssen von Jemandem geschnitten werden, kann aber noch langsam selber essen
4 – Muss gefüttert werden

10. Anziehen:

on off

0 – Normal
1 – Etwas langsam, aber keine Hilfe erforderlich
2 – Gelegentliche Hilfe beim Knöpfen, beim Schlüpfen in die Ärmel
3 – Beträchtliche Hilfe erforderlich, kann aber manches alleine schaffen
4 – Hilflos

11. Hygiene:

on off

0 – Normal
1 – Etwas langsam, aber keine Hilfe erforderlich
2 – Braucht beim Duschen und Baden Hilfe; oder bei der Körperpflege sehr langsam
3 – Braucht beim Waschen, Zähneputzen, Haarekämmen und beim Gang auf die Toilette Hilfe
4 – Foley-Katheter oder andere mechanische Hilfsmittel

12. Umdrehen im Bett und Bettwäsche zurechtziehen:

on off

0 – Normal
1 – Etwas langsam und unbeholfen, benötigt aber keine Hilfe
2 – Kann sich alleine, jedoch unter großen Schwierigkeiten herumdrehen und die Bettwäsche zurechtziehen.
3 – Beginnt es, kann sich aber nicht vollständig alleine im Bett umdrehen oder die Bettwäsche zurechtziehen.
4 – Hilflos

13. Fallen: (unabhängig von einer Starre)

on off

0 – Kein Fallen
1 – Seltenes Fallen
2 – Gelegentliches Fallen, weniger als einmal pro Tag
3 – Fällt durchschnittlich einmal pro Tag
4 – Fällt häufiger als einmal pro Tag

14. Erstarren beim Gehen (Freezing):

on off

0 – Kein Erstarren
1 – Seltenes Erstarren beim Gehen; eventuell verzögerter Start
2 – Gelegentliches Erstarren beim Gehen
3 – Regelmäßiges Erstarren, gelegentliches Fallen nach Erstarren
4 – Häufiges Fallen nach Erstarren

15. Laufen:

on off

0 – Normal
1 – Leichte Schwierigkeiten; eventuell fehlendes Mitschwingen der Arme; eventuell Neigung, das Bein nachzuziehen
2 – Mäßige Schwierigkeiten, benötigt jedoch wenig oder keine Hilfe
3 – Schwere Gehstörung, benötigt Hilfe
4 – Kann selbst mit Hilfe nicht mehr gehen

16. Tremor:

on off

0 – Kein Tremor
1 – Leicht und selten auftretend
2 – Mäßig, für den Patienten lästig
3 – Stark, bei zahlreichen Aktivitäten hinderlich
4 – Ausgeprägt, bei den meisten Aktivitäten hinderlich

17. Sensorische Beschwerden infolge von Parkinsonismus:

on off

0 – Keine
1 – Gelegentliches Taubheitsgefühl, Kribbeln oder leichte Schmerzen
2 – Häufiges Taubheitsgefühl, Kribbeln oder Schmerzen, nicht störend
3 – Häufig schmerzhafte Empfindungen
4 – Unerträgliche Schmerzen

III. Motorische Untersuchung

18. Sprache:

0 – Normal
1 – Leichte Abnahme von Ausdruck, Diktion und/oder Volumen
2 – Monoton, verwaschen, aber verständlich; mäßig behindert
3 – Deutliche Beeinträchtigung, schwer zu verstehen
4 – Unverständlich

19. Gesichtsausdruck:

0 – Normal
1 – Minimal veränderte Mimik, könnte ein normales “ Pokergesicht“ sein
2 – Leichte, aber eindeutig abnorme Verminderung des Gesichtsausdruckes
3 – Mäßig verminderte Mimik; Lippen zeitweise geöffnet
4 – Maskenhaftes oder erstarrtes Gesicht mit stark oder völlig fehlendem Ausdruck; Lippen stehen um 7 mm auseinander

20. Ruhetremor:

(G = Gesicht, RH = rechte Hand, LH = linke Hand, RF = rechter Fuß, LF = linker Fuß) G RH LH RF LF

0 – Fehlt
1 – Leicht und selten vorhanden
2 – Geringe Amplitude persistierend oder mäßige Amplitude, aber nur intermittierend auftretend
3 – Mäßige Amplitude, die meiste Zeit vorhanden
4 – Ausgeprägte Amplitude, die meiste Zeit vorhanden

21. Aktions- oder Haltungstremor der Hände:

(R = rechts, L = links)
R L

0 – Fehlt
1 – Leicht; bei Bewegung vorhanden
2 – Mäßige Amplitude, bei Bewegung vorhanden
3 – Mäßige Amplitude, bei Beibehalten der Haltung und bei Bewegung vorhanden
4 – Ausgeprägte Amplitude; beim Essen störend

22. Rigidität:

(Geprüft bei passiver Bewegung der großen Gelenke am sitzenden Patienten. Zahnradphänomen kann ignoriert werden). (N = Nacken, ROE = rechte obere Extremität, LOE = linke obere Extremität, RUE = rechte untere Extremität, LUE = linke untere Extremität)
N ROE LOE RUE LUE

0 – Fehlt
1 – Leicht oder nur erkennbar bei Aktivierung durch spiegelbildliche oder andere Bewegungen
2 – Leicht bis mäßig
3 – Ausgeprägt, jedoch voller Bewegungsumfang bleibt erreicht
4 – Stark; Schwierigkeit beim Ausführen aller Bewegungen

23. Fingerklopfen:

(Patient berührt in rascher Reihenfolge und bei größtmöglicher Amplitude und mit jeder Hand gesondert den Daumen mit dem Zeigefinger). (R =
rechts, L = links)
R L

0 – Normal
1 – Leichte Verlangsamung und/oder Verringerung der Amplitude
2 – Mäßig eingeschränkt; eindeutige und frühzeitige Ermüdung; Bewegung kann gelegentlich unterbrochen werden
3 – Stark eingeschränkt; verzögerter Start der Bewegungen oder Unterbrechung fortlaufender Bewegungen
4 – Kann die Aufgabe kaum ausführen

24. Handbewegungen:

(Patient öffnet und schließt die Hände in rascher Reihenfolge bei größtmöglicher Amplitude und mit jeder Hand gesondert). (R = rechts, L = links)
R L

0 – Normal
1 – Leichte Verlangsamung und/oder Verringerung der Amplitude
2 – Mäßig eingeschränkt; eindeutige und frühzeitige Ermüdung; Bewegung kann gelegentlich unterbrochen werden
3 – Stark eingeschränkt; verzögerter Start der Bewegungen oder Unterbrechung fortlaufender Bewegungen
4 – Kann die Aufgabe kaum ausführen

25. Rasch wechselnde Bewegungen der Hände:

(Pronations-Supinationsbewegung der Hände, vertikal oder horizontal, mit größtmöglicher Amplitude, beide Hände gleichzeitig)
R L

0 – Normal
1 – Leichte Verlangsamung und/oder Verringerung der Amplitude
2 – Mäßig eingeschränkt; eindeutige und frühzeitige Ermüdung; Bewegung kann gelegentlich unterbrochen werden
3 – Stark eingeschränkt; verzögerter Start der Bewegungen oder Unterbrechung fortlaufender Bewegungen
4 – Kann die Aufgabe kaum ausführen

26. Agilität der Beine:

(Der Patient klopft in rascher Reihenfolge mit der Ferse auf den Boden und hebt dabei das ganze Bein an. Die Amplitude soll mindestens 7,5 cm
betragen)
R L

0 – Normal
1 – Leichte Verlangsamung und/oder Verringerung der Amplitude
2 – Mäßig eingeschränkt; eindeutige und frühzeitige Ermüdung; Bewegung kann gelegentlich unterbrochen werden
3 – Stark eingeschränkt; verzögerter Start der Bewegungen oder Unterbrechung fortlaufender Bewegungen
4 – Kann die Aufgabe kaum ausführen

27. Aufstehen vom Stuhl:

(Patient versucht mit vor der Brust verschränkten Armen von einem geradelehnigen Holz- oder Metallstuhl aufzustehen)

0 – Normal
1 – Langsam; kann mehr als einen Versuch benötigen
2 – Stößt sich an den Armlehnen hoch
3 – Neigt zum Zurückfallen und muss es eventuell mehrmals versuchen, kann jedoch ohne Hilfe aufstehen
4 – Kann ohne Hilfe nicht aufstehen

28. Haltung:

0 – Normal aufrecht
1 – Nicht ganz aufrecht, leicht vorgebeugte Haltung; könnte bei einem älteren Menschen normal sein
2 – Mäßig vorgebeugte Haltung, eindeutig abnorm; kann leicht zu einer Seite geneigt sein
3 – Stark vorgebeugte Haltung mit Kyphose; kann mäßig zu einer Seite geneigt sein
4 – Ausgeprägte Beugung mit extrem abnormer Haltung

29. Gang:

0 – Normal
1 – Geht langsam, kann einige kurze Schritte schlurfen, jedoch keine Festination oder Propulsion
2 – Gehen schwierig, benötigt aber wenig oder keine Hilfe; eventuell leichtes Trippeln, kurze Schritte oder Propulsion
3 – Starke Gehstörung, benötigt Hilfe
4 – Kann überhaupt nicht gehen, auch nicht mit Hilfe

30. Haltungsstabilität:

(Reaktion auf plötzliches Verlagern nach hinten durch Ziehen an den Schultern des Patienten; der mit geöffneten Augen und leicht auseinanderstehenden Füßen gerade steht. Der Patient ist darauf vorbereitet)

0 – Normal
1 – Retropulsion, gleicht aber ohne Hilfe aus
2 – Fehlen einer Haltungsreaktion; würde fallen, wenn er nicht vom Untersucher aufgefangen würde
3 – Sehr instabil; neigt dazu, spontan das Gleichgewicht zu verlieren
4 – Kann nicht ohne Unterstützung stehen

31. Bradykinesie und Hypokinesie des Körpers:

(Kombination aus Langsamkeit, Zögern, verminderten Mitbewegungen der Arme, geringe Bewegungsamplitude und allgemeine Bewegungsarmut)

0 – Keine
1 – Minimale Verlangsamung, Bewegung wirkt beabsichtigt; könnte bei manchen Menschen normal sein; möglicherweise herabgesetzte Amplitude.
2 – Leichte Verlangsamung und Bewegungsarmut, die eindeutig abnorm sind, alternativ auch herabgesetzte Amplitude
3 – Mäßige Verlangsamung und Bewegungsarmut oder Herabsetzung der Amplitude
4 – Ausgeprägte Verlangsamung, Bewegungsarmut oder Herabsetzung der Amplitude

IV. Komplikationen der Behandlung (in der vergangenen Woche)

A. Dyskinesien

32. Dauer:

Zu welcher Tageszeit treten die Dyskinesien auf? (Anamnestische Angaben)

0 – Keine
1 – 1 – 25% des Tages
2 – 26 – 50% des Tages
3 – 51 – 75% des Tages
4 – 76 – 100% des Tages

33. Behinderung:

Wie hinderlich sind die Dyskinesien? (Anamnestische Angaben; können durch Untersuchung in der Sprechstunde modifiziert werden.)

0 – Keine Behinderung
1 – Leichte Behinderung
2 – Mäßige Behinderung
3 – Starke Behinderung
4 – Vollständige Behinderung

34. Schmerzhafte Dyskinesien:

Wie schmerzhaft sind die Dyskinesien?

0 – Keine schmerzhaften Dyskinesien
1 – Leicht
2 – Mäßig
3 – Stark
4 – Ausgeprägt

35. Auftreten von Dystonie am frühen Morgen:

(Anamnestische Angaben)

0 – Nein
1 – Ja

B. Motorische Fluktuationen

36. Lassen sich „off“-Perioden, z.B. zeitlich nach einer Medikamenteneinnahme
voraussagen?

0 – Nein
1 – Ja

37. Sind „off“-Perioden zeitlich nicht vorhersagbar?

0 – Nein
1 – Ja

38. Treten „off“-Perioden plötzlich auf, z.B. innerhalb von wenigen Sekunden?

0 – Nein
1 – Ja

39. Für welche Dauer befindet sich der Patient tagsüber durchschnittlich im „off“- Stadium?

0 – Überhaupt nicht
1 – 1 – 25% des Tages
2 – 26 – 50% des Tages
3 – 51 – 75% des Tages
4 – 76 – 100% des Tages

C. Anderweitige Komplikationen


40. Leidet der Patient an Appetitlosigkeit, Übelkeit oder Erbrechen?

0 – Nein
1 – Ja

41. Leidet der Patient an Schlafstörungen, z.B. Schlaflosigkeit oder Schläfrigkeit?

0 – Nein
1 – Ja

42. Hat der Patient orthostatische Symptome?

0 – Nein
1 – Ja

Der UPDRS- Gesamtscore (Summe I-III) beträgt bei maximaler Ausprägung der Symptome 176 Punkte. Die Komplikationen der Behandlung (Teil IV) können maximal 23 Punkte ergeben. Wenn Teil II (UPDRS-ADL, Aktivitäten des täglichen Lebens) separat ausgewertet wird, dann sind maximal 52 Punkte möglich.

Eine klinisch relevante Veränderung des UPDRS-Gesamtscores ist in den Hoehn-Yahr-Stadien I-III ab 8 Punkten annehmbar, im rein motorischen Score (Teil III) ab 5 Punkten und im UPDRS-ADL) ab 2-3 Punkten. Für die Hoehn-Yahr Stadien IV-V wurden diese Werte bisher nicht bestimmt.

Mit dem UPDRS-Gesamtscore wird immer die oben erwähnte Hoehn-Yahr-Skala und auch die Schwab-England-Skala erhoben.

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