Über L-Dopa hinaus

Der folgende Beitrag stammt von der Website der Schweizerischen Parkinsonvereinigung

Behandlungsmethoden über die L-Dopa-Therapie hinaus

Die Erkenntnis, dass man mit den Decarboxylasehemmern den Abbau von L-Dopa zu Dopamin in der Peripherie hemmen kann, führte zur Entwicklung der sogenannten MAO-B-Hemmer (Rasagilin oder Selegilin), in der Annahme, mit diesen den zerebralen Dopaminabbau verlangsamen zu können. Doch dieser Ansatz brachte klinisch nur eine geringe Verbesserung. Zwar konnte die Hypothese einer neuroprotektiven Wirkung der MAO-B-Hemmer bisher nicht widerlegt werden – sie ist aber auch nie zweifelsfrei bewiesen worden. 

Dafür wurde mit den COMT-Hemmern Tolcapon und Entacapon eine substanzielle Optimierung der L-Dopa-Therapie erzielt. Mit diesen Substanzen kann der periphere Abbau von L-Dopa zu 3-O-Methyldopa (3-OMD) minimiert und die Bioverfügbarkeit des L-Dopa verbessert werden, wodurch die Wirkung der einzelnen L-Dopa-Dosen verlängert und verstärkt wird. In der Schweiz kam Tolcapon (Tasmar®) im Jahre 1997 und Entacapon (Comtan®, Entacapon ist ausserdem im Kombinationspräparat Stalevo® enthalten) anno 1999 auf den Markt.

An dieser Stelle müssen wir in der Geschichte noch einmal um 30 Jahre zurückgehen, ins Jahr 1969. Damals entdeckte der Neurologe Robert S. Schwab die antiparkinsonische Wirkung des Grippemittels Amantadin. Dieses wirkt zwar klar schwächer als L-Dopa, doch konnte später gezeigt werden, dass mit Amantadin eine gute Reduktion der Dyskinesien und der Fluktuationen erzielt werden kann. 

Eine weitere sehr wichtige Entwicklung begann 1974 mit den klinischen Studien zu «Bromokriptin», dem ersten von mehreren sogenannten Dopaminagonisten, die ab Ende der 1970er-Jahre in die Klinik eingeführt wurden. Diese Substanzen stimulieren im Gehirn dieselben Rezeptoren wie Dopamin,  haben also ein ähnliches Wirkungsspektrum wie L-Dopa. Doch als Monotherapie sind sie häufig zu wenig wirksam. Andererseits ist seit längerer Zeit bekannt, dass Patienten, die von Anfang an mit einem Dopaminagonisten (entweder als Monotherapie oder kombiniert mit L-Dopa) therapiert werden, seltener und später Dyskinesien und Fluktuationen entwickeln als Patienten, die von Beginn an nur mit L-Dopa behandelt werden. 

Wegen der erwähnten ungenügenden Wirkung setzten sich diese Erkenntnisse jedoch in der Praxis nur sehr zögerlich durch. Dies hat sich aber mit den neueren Dopaminagonisten, die besonders in den frühen Stadien der Krankheit eine gute therapeutische Wirkung zeigen, geändert. Weil heute zudem bekannt ist, dass ergoline Dopaminagonisten (Mutterkorn-Alkaloidderivate wie z. B. Bromocriptin, Cabergolin, Lisurid und Pergolid) Bindegewebsvermehrungen an den Herzklappen (Herzklappenfibrose) sowie in der Lunge provozieren können, werden nur noch die nicht ergolinen Agonisten Rotigotin (Neupro® – transdermales Pflaster), Ropinirol (Requip®) und Pramipexol (Sifrol®) als erste Wahl eingesetzt. 

Quelle: https://www.parkinson.ch/index.php?id=333

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