Erfahrungsbericht Apomorphin-Pumpe

Der folgende Beitrag erschien in den dPV-Nachrichten

Ausgabe Nr. 145 – Sommer 2018

Mit den Augen eines Patienten

Bei mir ist im Alter von 45 Jahren Morbus Parkinson festgestelltworden. Mittlerweile bin ich 56 Jahre alt. In den ersten Jahren der Krankheit wurde ich mit Tabletten behandelt, im siebten Jahr wurde mir zusätzlich der Apomorphin-Pen verabreicht, in den Jahren acht und neun die Apomorphin-Pumpe. Seit dem zehnten Jahr werde ich mit einer tiefen Hirnstimulation behandelt. Meine Parkinson-Erkrankung ist durch extrem schnell wechselndeOn- undOff-Phasengekennzeichnet. Seit vierJahren bin ichdeswegen erwerbsunfähig.

Bei einem der ambulanten Termine inder Parkinson-Sprechstunde desUniversitätsklinikums Münster (UKM) wurdenmir von Prof. Dr. med. Tobias Warneckedie Möglichkeiten derApomorphin-Therapie aufgezeigt. Während eines kürzeren stationären Aufenthalts im UKMwurde mir der Umgang mit dem Apomorphin-PEN beigebracht. Die Wirkungdieser Therapie hielt zirka ein Jahr langan. Danach war ich teilweise so schnellim medikamentösenOff, dassich mirselber den Pen nicht mehr applizierenkonnte.Apomorphinwar zu diesem Zeitpunkt und bei der Schwere der Parkinson-Erkrankung das Medikament,welches am schnellsten und effektivstenwirkte. So entschied ich mich für den Einsatz derApomorphin-Pumpe, da hier dieMedikation kontinuierlich appliziertwerden konnte. Bei einem dreiwöchigenstationären Aufenthalt im UKM wurdemeiner Frau und mir die Handhabungder Apomorphin-Pumpe beigebracht.Hierzu gehörte u.a. das Setzen des Subkutan-Katheters, das Nachfüllen derPumpe und eine Information darüber,welches Material z.B. über meine Hausapotheke bestellt werden musste, bzw.eine Anleitung zum Entfernen desKatheters, verbunden mit der richtigenHautpflege. Diese Schulungen wurdenim wesentlichem durch entsprechendes Fachpersonal des Herstellers derApomorphin-Pumpe durchgeführt.

Unmittelbar nach dem Aufenthalt imUKM trat ich eine REHA-Maßnahme an,die von der Deutschen Rentenversicherung angeordnet worden war. Hierbeihatte ich leider ständig wechselndesPflegepersonal, welches mit der Handhabung der Pumpe unerfahren war. DieSchwierigkeit bestand insbesondere inder Erklärung der fachgerechten Handhabung der Pumpe sowie des Setzensund des Entfernens des SubkutanKatheters. Es ist sehr wichtig, dass manmit der richtigen Anwendung derPumpe vertraut ist. Im Verlauf dernächstenWochen kam es zu einer deutlichen Besserung der Parkinson-Symptome, und das, obwohl ich insgesamtdie Dosis meiner Tabletten reduzierenkonnte. Ich hatte insgesamt wiedermehr Lebensqualität. So konnte ichunter anderem wieder an Feiern teilnehmen, außerdem waren wiederUrlaubsreisen möglich.

Wenn die Pumpe nicht angeschlossenwar, merkte ich, dass die Off-Phasenwieder deutlich stärker waren. Dasbedeutete für mich aber auch, dass ichbei der Handhabung der Pumpe aufHilfe angewiesen war. Am Morgen nachdem Aufwachen musste die Pumpe jeweils neu aufgefüllt und der SubkutanKatheter entsprechend platziert werden. Das war mirselbst in der Off-Phasenicht möglich. Drei Monate nach Ersteinsatz der Pumpe war mir die Wirkungvon Apomorphin besser vertraut. Ichhabe mich dann dafür entschieden, die18 Stunden Laufzeit der Pumpe um24 Uhr zu beginnen. Der große Vorteilwar, dass die Nächte nicht von der OffPhase und somit Schlafstörungen gekennzeichnet waren. Von 18 bis 24 Uhr,also in der Zeit, in der die Pumpe nichtlief, konnte ich die Hilfe meiner Familiein Anspruch nehmen.

Da Apomorphin keinen direkten Hautkontakt haben soll, ließ ich, nachdem diePumpe leergelaufen war, für zirka 30Minuten NaCl-Lösung durchlaufen, umim Anschluss daran den Katheter zuentfernen. An diese Handhabunggewöhnte ich mich zunehmend.

Nach oben scrollen