Neue Einnahmeformen von L-Dopa

Der folgende Beitrag stammt von der Website https://gesundheitskompass-mittelhessen.de

In der Nationalbibliothek der Vereinigten Staaten NIH (U.S. National Library of Medicine) sind aktuell über 2000 Studien zum Thema Parkinson registriert. Medikamente gegen M. Parkinson, die sich derzeit in der Entwicklung befinden, umfassen unter anderem neue Darreichungsformen von Levodopa. (Siehe auch hier )

L-Dopa oder Levodopa ist das älteste Parkinson-Medikament. Seine Marktzulassung war Anfang der 60er Jahre ein erster Durchbruch in der Parkinson-Behandlung. Auch heute noch zählt es zu den wirksamsten Medikamenten im Kampf gegen diese Krankheit.

Neue Levodopa-Medikamente sollen vor allem das Problem der Wirkungsschwankungen (ON und OFF Phasen der Bewegung) lindern, entweder durch Verwendung neuer Darreichungsformen oder durch Medikamente, welche im Körper besser aufgenommen werden (Verbesserung der Bioverfügbarkeit).

L-Dopa-Inhalationspulver (CVT-301)

CVT-301 ist ein Levodopa-Inhalationspulver, das bei Bedarf verwendet werden kann, um eingetretene OFF-Phasen bei Patienten schnell zu beenden, welche standardmäßige mit L-Dopa als Basistherapie in Tabletten- oder Kapselform behandelt werden.

Der Hersteller von CVT-301 (Acorda Therapeutics) reichte im Juni 2017 den ersten Antrag auf Zulassung dieses neuen Arzneimittels bei der US-amerikanischen Arzneimittelüberwachungsbehörde FDA (United States of America Food and Drug Administration). Die FDA forderte weitere Untersuchungen, welche im Dezember 2017 nachgereicht wurden.

FDA-Zulassung

Am 24.12.2018 hat die FDA CVT-301 (Levodopa-Inhalationspulver, verabreicht über ein Dosieraerosol) für die intermittierende Behandlung von OFF-Phasen bei Parkinson-Patienten, die mit L-Dopa behandelt werden, zugelassen. Handelsname: INBRIJA™.

PS: Diese Zulassung gilt nicht für Europa.

Phase II und III Studien 

In mehreren Phase II Studien mit über 200 Patienten wurde nachgewiesen, , dass CVT-301 zu einer Besserung der Beweglichkeit in den OFF-Phasen führte, gemessen mit dem UPDRS (Unified Parkinson Disease Rating Scale). Daten zur Beurteilung der Lungenverträglichkeit von CVT-301 zeigten, dass die Ergebnisse der Spirometrie (Lungenfunktionsprüfung) innerhalb des Normbereiches lagen, unabhängig von der Behandlungsgruppe oder der motorischen Behinderung beim Einschluss in die Studie (Baseline). Auch die Langzeitbeobachtung der Lungenfunktion zeigte keinen Unterschied in der Lungenfunktionsmessung zwischen Patienten, die über 4 Wochen mit CVT-301 oder Placebo behandelt wurden. Die häufigsten Nebenwirkungen waren milder bis mäßiger Husten, Infektionen der oberen Atemwege, Übelkeit, Schwindel und Verfärbung des Speichels.

L-Dopa-Pumpe (ND0612)

ND0612 ist die Bezeichnung für eine Levodopa / Carbidopa Injektionslösung, die zur Aufrechterhaltung eines konstanten Wirkspiegels über eine Pumpe in die Haut (subkutan) verabreicht wird. Das Medikament hat aktuell noch keine Zulassung erhalten. Es gibt jedoch bereits umfangreiche Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit.

Quelle: https://gesundheitskompass-mittelhessen.de/813-neue-entwicklungen-in-der-parkinson-therapie/

Speicherfähiges L-DOPA in einer Akkordeon-Pille

(Studien-Bezeichnung AP09004)

Was ist eine Akkordeon-Pille?

Man versteht darunter einer Kapsel, welche ein „Miniatur-Akkordeon“ enthält, um eine sehr langsame Abgabe von Medikamenten in den Körper zu garantieren. In das kleine Faltblatt (Akkordeon) wird ein Medikament eingepresst, welches Dank der verzögerten Entfaltung kontrolliert freigesetzt wird. Die Akkordeon-Kapsel ist darauf programmiert, neun oder mehr Stunden im Körper zu verbleiben. Nach der Einnahme der Kapsel schmilzt diese im Magen, sie öffnet sich und das Medikament wird durch langsame Entfaltung des gepressten Faltblattes in einem besonders verzögerten Rhythmus freigesetzt. Die Pille sieht wie eine bekannte antibiotische Kapsel aus, aber sie verfügt über ein neuartiges weltweit geschütztes Patent (ab Februar 2004 für die nächste 20 Jahre).

AP09004, auch bekannt als „Accordion Pill™“, hat noch keinen Handelsnamen. Es zeichnet sich durch eine besonders langsame Freisetzung von L-DOPA / Carbidopa über neun Stunden aus. Im Englischen wird das Präparat Accordion Pill™ genannt, daher das „I“ im Akkordeon. Hersteller ist das israelischen Hi-Tech-Unternehmen Intek Pharma. Die Herstellung soll evtl. in Andernach erfolgen.

In Studien konnte die OFF-Zeit (Zeit, in der L-Dopa nicht gut oder gar nicht wirkt), um fast die Hälfte reduziert werden, und das bei deutlicher geringeren L-DOPA Dosen (drei Phase II Studien, eine Phase III Studie). In die Phase III Studie mit dem Namen Accordance (ClinicalTrials.gov Identifier: NCT02605434, März 2016 – Oktober 2018) wurden 420 Patienten eingeschlossen.

Nähere Informationen und ein Video über die Accordion-Pill siehe: https://www.intecpharma.com/

oder http://www.pharmacon.net/aktuell/2004/09/akkordeon.htm

Neues L-DOPA-Präparat in Retardform 

Viele Patienten werden trotz Einnahme von L-Dopa-Retard Präparaten nachts gegen 3 Uhr wach, weil die Wirkung nicht bis zum Morgen anhält. Zugelassen sind zahlreiche L-Dopa Präparate mit Benserazid oder Carbidopa in Dosen von 100 oder 200 mg. Die Kombination mit Dopaminagonisten wird insbesondere von älteren Parkinson-Patienten nicht gut vertragen. Länger wirksame L-Dopa-Retardpräparate wären deshalb aus meiner Sicht dringend erforderlich. In Studien verspricht IPX203 (Studienname, noch kein Handelsname), diesem Wunsch nachzukommen. Im April 2019 hat die Pharmafirma IMPAX Laboratories in den USA eine Phase III Studie mit diesem Medikament gestartet. In den USA ist seit 2015 ein langwirksames L-DOPA Retardpräparat unter dem Handelsnamen RYTARY™ zugelassen. Es verspricht einen wirksamen Spiegel über 4 – 5 Stunden. Auch in Europa hatte das Präparat seit November 2015 eine Zulassung unter dem Handelsnamen Numient. Auf Antrag der Firma wurde diese Zulassung im April 2019 widerrufen (05.04.2019). Numient hat deshalb in Europa keine Marktzulassung mehr.

Quelle: https://gesundheitskompass-mittelhessen.de/1037-neue-entwicklungen-in-der-parkinson-therapie-ii/

L-DOPA 5 mg-Kügelchen (Suades) zur individuellen Dosierung 

Ein schwedisches Unternehmen (Firma Sensidose, Stockholm) hat eine elektronische Dosierhilfe für die Einnahme von L-Dopa entwickelt. Das besonders Interessante daran ist eine neue, wasserlösliche Formulierung von L-Dopa/Carbidopa. Die Mikro-Tabletten sehen aus wie kleine weiße Kügelchen und enthalten 5 mg L-Dopa in Kombination mit 1.25 mg Carbidopa. Die Zulassung erfolgte in Schweden im März 2014, Handelsname in Schweden Flexilev. Die Einnahme von Flexilev ist an die elektronische Dosiereinrichtung MyFID (siehe Bild) gebunden und dient einer individuellen, auf 5 mg genauen Einnahme von L-Dopa. Die gewünschte Menge kann per Tastendruck vorgegeben werden, z.B. 50 mg – auf erneuten Tastendruck öffnet sich das System und 10 kleine Flexilev Kügelchen rollen in ein dafür bereitstehendes Glas. Mit Wasser aufgefüllt kann das lösliche Medikament dann getrunken werden. Das Gerät speichert die Einnahmezeiten und Dosierungen und enthält eine Symptomstatistik. Es erinnert akustisch an vorgegebene Einnahmezeiten und ermöglicht und dokumentiert auch zusätzliche, sogenannte Bolusgaben.

Die Markteinführung in Deutschland ist für das erste Quartal 2020 vorgesehen, die Firma Desitin aus Hamburg wird dieses Arzneimittel unter dem Handelsnamen Suades betreuen.

L-DOPA über eine Zahnspange (OraFuse™ – DopaFuse™) 

Die Firma SynAgile forscht an einer kleinen, nicht-invasiven Pumpe (OraFuse) in einem Zahnclip mit einer kontinuierlichen, kontrollierten Abgabe von L-Dopa/Carbidopa in die Mundhöhle, genannt DopaFuse. Dieser Zugangsweg soll den gefürchteten Wechsel zwischen guter und schlechter Beweglichkeit, genannt Wirkungsfluktuationen, reduzieren. Die kleine Vorrichtung besteht aus einer Treibmittel-betriebene Medikamentenpumpe, fixiert an einer wiederverwendbaren Halterung des Clips an den oberen Backenzähnen und ruht im harten Gaumen. L-Dopa wird in kleinem Mengen kontinuierlich in die Mundhöhle freigesetzt, wo es mit dem Speichel geschluckt und in den Körper aufgenommen wird, wenn es den Magen und oberen Dünndarm erreicht. In einer Phase IIa-Studie konnte eine 43-prozentige Reduktion der off-Phasen (Phasen mit fehlender Wirkung der Medikation) im Vergleich zur Behandlung mit Levodopa/Carbidopa-Tabletten (4 – 8 Einnahmen/Tag) dokumentiert werden. Weitere Informationen und ein Video siehe: synagile.com

Liqui-Patch: Sprühpflaster für Parkinson 

Die Firma epinamics forscht an einem Sprühpflaster (Liqui-Patch®). Dieses Pflaster wird nicht aufgeklebt, sondern als durchsichtiger Film über ein Pumpspray auf die Haut gesprüht. Das soll nicht nur wirksamer, sondern auch deutlich verträglicher für die Haut sein. Insbesondere bei Parkinson-Patienten, die oft an motorischen Einschränkungen leiden, hilft es zudem bei der Anwendung. Auch die für Parkinson typischen Resorptionsstörungen (Aufnahme des Medikamentes über den Magen) können dadurch umgangen werden.

Autorin:

Dr. Ilona Csoti
Ärztliche Direktorin
Gertrudisklinik Biskirchen

Quelle: https://gesundheitskompass-mittelhessen.de/1172-neue-entwicklungen-in-der-parkinson-therapie-iii-/

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