Fehldiagnosen

Der folgende Beitrag stammt von der Website „www.parkinson-web.de“, eine Kooperation der Gertrudis-Klinik Biskirchen und der Deutschen Parkinson Vereinigung e.V.

Parkinson-Patienten müssen in Deutschland im Schnitt 1 bis 1,5 Jahre auf die richtige Diagnose warten. Infolge der atypischen Anfangssymptome, wie z. B. Schmerzen und depressive Verstimmung, werden diese Patienten zunächst aufgrund zahlreicher Fehldiagnosen unspezifisch behandelt. Die wichtigen Fehldiagnosen gehören in die Bereiche der Knochen und Muskeln: Arthrose, Rheuma, Morbus Bechterew, Bandscheiben-Leiden, Halswirbelsäulen-Syndrom, Muskelverspannungen, Schulter-Arm-Syndrom, Carpal-Tunnel-Syndrom. Einige Patienten werden wegen des fehlenden therapeutischen Erfolges sogar chirurgisch behandelt.

Die Diagnose „therapieresistente Depression“ kommt besonders häufig vor. In höherem Alter werden andere, nicht zutreffende Diagnosen gestellt: Arterienverkalkung, Schlaganfall, Alzheimer-Krankheit.

Einige Anfangssymptome werden sogar nicht als Krankheitsphänomen eingestuft: Ein Patient beklagte das ständige Stehenbleiben seiner neu erworbenen Automatikuhr, das auch nach mehreren Reparaturversuchen und am Ende auch nach dem Austausch der Uhr weiterhin fortbestand. Die linksseitige Bewegungseinschränkung und das fehlende Mitschwingen des linken Armes führten dazu, dass die Uhr nicht automatisch aufgezogen wurde. Eine Patientin kam mit der Kupplungsbetätigung ihres neuen Autos nicht zurecht. Auch hier waren die Reparaturversuche erfolglos und erst die Behandlung der Patientin löste das Problem.

Der fehlende therapeutische Erfolg und die daraus folgende Unsicherheit bezüglich der Diagnose zwingen viele Patienten in dieser Krankheitsphase zu einem regelrechten „Arzt-Hopping“.

Fehlmeinungen erschweren die Frühdiagnose

Die Diagnosestellung in der Frühphase wird nicht nur durch die atypischen Frühsymptome, sondern auch durch einige, teilweise noch auf den Erstbeschreiber dieser Krankheit, James Parkinson, zurückzuführende, aber tief verwurzelten Fehlmeinungen erschwert. James Parkinson hat die Krankheit als „Schüttellähmung“ bezeichnet. Daraus wird fälschlicherweise gefolgert, dass das Schütteln bzw. das Zittern ein unbedingt vorhandenes Krankheitssymptom ist. Es ist aber bekannt, dass ca. 30% der Parkinson-Erkrankungen ohne Zittern verlaufen.

Eine weitere, weit verbreitete Fehlmeinung ist, dass die Parkinson-Krankheit keine Schmerzen verursacht. Die häufigsten Anfangsbeschwerden sind aber therapieresistente Schmerzen. Die dritte, aber für die jüngeren Parkinson-Patienten sehr folgenschwere Fehlmeinung ist, dass die Parkinson-Krankheit eine Alterskrankheit ist. Diese Fehleinschätzung führt oft zu einer jahrelangen Fehlbehandlung der jüngeren Patienten, wobei oft psychosomatische Krankheiten mit langwierigen Behandlungsversuchen angenommen werden. Die Statistiken zeigen aber, dass ca. 8% der Parkinson-Erkrankungen vor dem 40. Lebensjahr auftreten.

Parkinson als Fehldiagnose

Es gibt aber auch häufig voreilig gestellte Diagnosen eines Parkinson-Syndroms. Dies ist im Allgemeinen der Fall, wenn ein Zittern das Anfangssymptom der Krankheit ist. Weil die allgemeine Meinung „Zittern gleich Parkinson“ ist, werden Patienten mit anderen Zittern-Krankheiten lange Zeit erfolglos als Parkinson-Patienten behandelt. In erster Linie wird der so genannte essenzielle, familiäre Tremor mit der Parkinson-Krankheit verwechselt.

Die Differenzierung von anderen Parkinson verwandten Krankheiten, wie Multisystematrophie (MSA), progressive supranukleäre Lähmung (PSP) und die corticobasale Gangliondegeneration (CBGD), ist in der Anfangsphase häufig nicht möglich.

Stand April 2013 | Dr. Ferenc Fornadi, Gertrudis-Klinik Biskirchen


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