Abge­se­hen von den Sport­muf­feln, die unter dem Mot­to „Sport ist Mord“ leben, lau­tet die ein­hel­li­ge Mei­nung wohl, dass Bewe­gung für die Gesund­heit vor allem för­der­lich ist. Tisch­ten­nis gilt dabei als Sport, der nicht nur gut für den Kör­per, son­dern auch für den Geist ist. Die ITTF unter­stützt den mit der Dia­gno­se Par­kin­son leben­den kroa­ti­schen Musi­ker Nen­ad Bach, der durch Tisch­ten­nis wie­der zum Gitar­ren­spiel fand, und ver­an­stal­tet im Okto­ber die ers­te Par­kin­son-Tisch­ten­nis-WM.

Im Mai stell­te Dr. Eck­art von Hirsch­hau­sen Tisch­ten­nis in sei­ner Sen­dung ‚Hirsch­hau­sens Quiz des Men­schen‘ gemein­sam mit Timo Boll und dem 88-jäh­ri­gen ehe­ma­li­gen Meis­ter­spie­ler von Borus­sia Düs­sel­dorf, Heinz Nink, als beson­ders gesund­heits­för­dern­de Sport­art dar (zum Arti­kel). Denn dadurch, dass Tisch­ten­nis Kör­per und Geist auf beson­de­re Art und Wei­se ver­bin­de, erklär­te der Mode­ra­tor mit medi­zi­ni­schem Hin­ter­grund, „ist das wahr­schein­lich der aller­bes­te Schutz gegen Abbau­pro­zes­se, gegen Alz­hei­mer, den wir haben.“ Dass sich die Sport­art mit dem klei­nen wei­ßen Ball auch auf Pati­en­ten ande­rer neu­ro­de­ge­ne­ra­ti­ver Erkran­kun­gen posi­tiv aus­wir­ken kann, zeigt das Bei­spiel des kroa­ti­schen Musi­kers Nen­ad Bach, der Tisch­ten­nis dafür ver­ant­wort­lich macht, dass er trotz sei­ner Par­kin­son-Dia­gno­se wie­der live mit sei­ner Musik auf­tre­ten kann. 

Nen­ad Bach’s sto­ry

Der Singer/Songwriter und Frie­dens­ak­ti­vist, der auch schon zusam­men mit Lucia­no Pava­rot­ti musi­zier­te, erkrank­te vor neun Jah­ren an Par­kin­son, was sich zunächst durch ein Zit­tern in sei­ner Hand äußer­te. Ein Jahr spä­ter folg­te die Dia­gno­se, vor drei Jah­ren ent­schloss er sich, kei­ne Auf­trit­te mehr zu geben, da er nicht mehr ein­wand­frei Gitar­re spie­len konn­te. Bach, der seit 1984 in New York lebt, war in sei­ner Jugend bereits mit Tisch­ten­nis in Berüh­rung gekom­men – als ihn ein Freund in ein Tisch­ten­nis­zen­trum ein­lud, begann er peu à peu, wie­der regel­mä­ßig zu spie­len. „Ich merk­te, dass ich mich tags dar­auf bes­ser beweg­te und bes­ser fühl­te“, erzählt Bach der ITTF sei­ne Geschich­te. „Also stei­ger­te ich das Trai­ning und spiel­te zwei, drei Mal pro Woche. Sechs Mona­te spä­ter fühl­te ich mich zu 50 % bes­ser. Nicht nur phy­sisch, auch psy­chisch – alles ist bes­ser als zuvor.“ So auch sein Gitar­ren­spiel, was ihm auch Live-Auf­trit­te wie­der ermög­lich­te.

Wie groß der Anteil des Tisch­ten­nis­spie­lens an der posi­ti­ven Ent­wick­lung sei­ner Sym­pto­me wirk­lich ist, kann schwer nach­voll­zo­gen wer­den. Bach selbst ist aller­dings über­zeugt davon, dass es vor allem Tisch­ten­nis war, das ihm gehol­fen und das Fort­schrei­ten der Krank­heit ver­lang­samt hat. „Mei­ne Mei­nung ist, dass ich durch das Tisch­ten­nis­spie­len ande­re Ner­ven­bah­nen oder sogar Neu­ro­nen ent­wi­ckelt habe“, beschreibt der Musi­ker, der von sei­nem Mit­strei­ter Dr. Art Dubow in die­ser Mei­nung bestärkt wird: „Eine neu­ro­lo­gisch anspruchs­vol­le Akti­vi­tät – wie Tisch­ten­nis – zu betrei­ben, hilft dabei, neue Neu­ro­nen, die Dopa­min pro­du­zie­ren, auf­zu­bau­en und zu ver­knüp­fen, um ver­schie­de­ne moto­ri­sche und kogni­ti­ve sowie emo­tio­na­le Funk­tio­nen zu beein­flus­sen.“ Doch unge­ach­tet der wis­sen­schaft­li­chen Fun­die­rung kam es Bach vor allem auf eine Sache an: Da Tisch­ten­nis ihm gehol­fen hat, will er nun auch ande­ren auf die­se Wei­se hel­fen. Daher rief er die Initia­ti­ve ‚Ping Pong Par­kin­son‘ ins Leben, die unter ande­rem Tur­nie­re für Men­schen mit die­ser Dia­gno­se aus­rich­tet. „Unser Ziel war dabei nicht nur, ein Bewusst­sein bei den Leu­ten zu erschaf­fen, die Par­kin­son haben und denen gehol­fen wer­den kann“, betont Bach, „son­dern auch bei den Wis­sen­schaft­lern, die mehr über Tisch­ten­nis und Gesund­heit, vor allem Par­kin­son, for­schen soll­ten.“

Die ITTF unter­stützt die Bemü­hun­gen des Künst­lers, zumal sich ihre Stif­tung unter ande­rem um den Punkt Gesund­heit küm­mern möch­te. So half der Welt­ver­band dabei, die ers­te offi­zi­el­le Par­kin­son-Tisch­ten­nis-WM zu orga­ni­sie­ren, die vom 11. bis 13. Okto­ber in Plea­s­ant­vil­le, New York, statt­fin­den wird. Hier sol­len die Teil­neh­mer je nach Schwe­re der Par­kin­son-Sym­pto­me klas­si­fi­ziert wer­den und in drei Wett­kampf­klas­sen gegen­ein­an­der antre­ten. Laut der ITTF haben sich neben Spie­lern aus den USA auch schon Inter­es­sen­ten aus euro­päi­schen Län­dern, z.B. aus Deutsch­land, gemel­det. 

Hier­zu­lan­de gibt es übri­gens auch schon seit meh­re­ren Jah­ren Tur­nie­re, die für Par­kin­son-Pati­en­ten aus­ge­rich­tet wer­den. So ver­an­stal­tet etwa die Deut­sche Par­kin­son Ver­ei­ni­gung e. V. Regio­nal­grup­pe Sieg­burg jähr­lich einen bun­des­wei­ten Wett­kampf. Inter­es­sier­te und Betrof­fe­ne fin­den zudem auf der Web­sei­te pingpongparkinson.de Infor­ma­tio­nen. Dass Tisch­ten­nis den­noch kein Wun­der­heil­mit­tel ist, ist auch Nen­ad Bach bewusst. Für ihn ist etwas ande­res ent­schei­dend. „Ich habe Par­kin­son mit Tisch­ten­nis nicht besiegt“, räumt der Musi­ker ein. „Aber die Angst davor.“

Wei­te­re Infos – z.B. zur Anmel­dung zur WM – fin­den Sie auf der Ping-Pong-Par­kin­son-Web­sei­te!

(JS)

Quel­le: https://www.mytischtennis.de/public/buntes/13774/medizin-tischtennis–ping-pong-gegen-parkinson

Tei­le: