Im bz-Gespräch: Kurt Blaas, All­ge­mein­me­di­zi­ner aus Neu­bau und Vor­sit­zen­der der Arbeits­ge­mein­schaft Can­na­bis­me­di­zin (ARGE CAM).Cannabis und sei­ne medi­zi­ni­sche Anwen­dung erlebt der­zeit eine Renais­sance.

Seit wann befas­sen Sie sich als Arzt mit der The­ma­tik?

Kurt Blaas: Als Medi­zin­stu­dent habe ich in einer Dro­gen­am­bu­lanz gear­bei­tet. Auch in mei­ner Pra­xis im 7. Bezirk befass­te ich mich mit Can­na­bis, aber mit der Ent­wöh­nung. Eines Tages bat mich ein Krebs­pa­ti­ent um eine Can­na­bis­be­hand­lung, ich fing an mich damit zu beschäf­ti­gen.

Wel­che Krank­hei­ten behan­delt man mit Can­na­bis?

Es gibt ganz vie­le Dia­gno­sen, die behan­delt wer­den, am häu­figs­ten sind 20 bis 30 davon. Vor­an Schmerz­er­kran­kun­gen, wie rheu­ma­ti­sche, neu­ro­lo­gi­sche, Tumor- oder Wir­bel­säu­len­schmer­zen, die mit klas­si­scher, schul­me­di­zi­ni­scher Behand­lung aus­the­ra­piert sind. Zudem psy­chi­sche Erkran­kun­gen, wie Bur­nout, Angst­stö­run­gen, Depres­sio­nen oder Schlaf­stö­run­gen. Hier gibt es meis­tens eine lan­ge Vor­ge­schich­te. Auch kann man neu­ro­lo­gi­sche Erkran­kun­gen, wie Touret­te-Syn­drom und Mor­bus Par­kin­son, oder inter­nis­ti­sche Erkran­kun­gen, wie Rheu­ma oder Mul­ti­ple Skle­ro­se, behan­deln. Nicht zu ver­ges­sen die Epi­lep­sie und Tumor­er­kran­kun­gen. Zur Anwen­dung kommt eine Mono­the­ra­pie mit Can­na­bi­noi­den oder eine Kom­bi­na­ti­on mit der Schul­me­di­zin, wie Neu­ro­lep­ti­ka oder Schmerz­mit­teln.

In wel­cher Form ver­schrei­ben Sie Can­na­bis?

Man kann die Inhalts­stof­fe THC und CBD (Can­na­b­idi­ol) ver­schrei­ben. Es gibt jede Men­ge ver­schie­de­ner Prä­pa­ra­te. Mein Cre­do: Es zählt nur das CBD aus der Apo­the­ke, weil die­ses über­prüft ist. Es wird kon­trol­liert, dass der Anbau der Pflan­ze und die gesam­te Pro­duk­ti­on des Medi­ka­ments qua­li­ta­tiv zer­ti­fi­ziert wird.

Wie­viel kos­ten Can­na­bis-Medi­ka­men­te?

Sie sind sehr teu­er. Sol­len zum Bei­spiel Tumor­pa­ti­en­ten behan­delt wer­den, sind das 1.500 Euro im Monat für die Can­na­bis-Medi­ka­men­te. Das ist schwer leist­bar. Vie­le Pati­en­ten fan­gen an, sich auf ande­rem Weg Can­na­bis zu besor­gen oder pflan­zen selbst an. Es darf nicht sein, dass sich Pati­en­ten ihre Medi­ka­men­te nicht leis­ten kön­nen und dann kri­mi­na­li­siert wer­den.

Wel­che Rege­lung wün­schen Sie sich in Öster­reich?

Der­zeit ist die Behand­lung mit pflanz­li­chen Can­na­bi­noi­den noch nicht mög­lich. War­um will ich das? In der Pflan­ze ist nicht, wie bei CBD und THC, nur ein Can­na­bi­no­id ent­hal­ten, son­dern hun­der­te. Mehr Sub­stan­zen der­sel­ben Fami­lie wir­ken bes­ser zusam­men. Wich­tig wäre das Pot­pour­ri der Pflan­ze, wegen der viel­schich­ti­ge­ren Wir­kung. Vie­le Pati­en­ten expe­ri­men­tie­ren und erzäh­len, dass die Pflan­zen, die natür­li­chen Pro­duk­te bes­ser wir­ken. Auch soll­te ent­schie­den wer­den, dass die Medi­ka­men­te bil­li­ger und damit leist­bar wer­den.

Kon­takt

Kurt Blaas ist Arzt für All­ge­mein­me­di­zin und Grün­der der Arbeits­ge­mein­schaft für Can­na­bis­me­di­zin (ARGE CAM). Die Ordi­na­ti­on (7., Lin­den­gas­se 27) hat Mon­tag und Diens­tag, 14–18 Uhr, Mitt­woch, 15–17 Uhr, Don­ners­tag, 16–19 Uhr, und Frei­tag, 12–14 Uhr, geöff­net. Mehr Infos unter 01/ 523 14 00 oder www.ordinationblaas.at

Quel­le: https://www.meinbezirk.at/neubau/c‑lokales/hanf-gegen-depressionen-krebs-und-parkinson_a2930036

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